European Vegetarian Union

Die dem Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten
NEAL D. BARNARD, M.D., ANDREW NICHOLSON, M.D., und Jo LIL HOWARD
Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM)
5100 Wisconsin Avenue, N. W., Suite 404, Washington, DC 20016

English - Aus EVU-News, Ausgabe 1/1997 - Français

Dr.Barnard
Dr.Neal Barnard
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Tel: +1 202 686 2210,
Fax: +1 202 686 2216
Neal Barnard, M.D., ist Vorsitzender des Physicians’ Committee
for Responsible Medicine
und tritt an vorderster Front dafür ein, die Heilkraft der Nahrung zu nutzen. Er ist Autor von: Eat Right Live Longer und Food For Life.
Ziel: Einschätzung der medizinischen Kosten, die den Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Gesundheit zuzuschreiben sind.

Methoden: Die Prävalenz von Hypertonie, Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes, Gallensteinen, Fettleibigkeit und Lebensmittelvergiftung bei Omnivoren und Vegetariern wird in Studien, die im Hinblick auf andere Faktoren des Lebensstils kontrolliert wurden, verglichen; die entsprechenden entstandenen Kosten werden in US-Dollar von 1992 ausgedrückt.

Ergebnisse: Gesundheitspflegekosten, die direkt dem Fleischkonsum zuzuschreiben sind, werden für Hypertonie auf 2,8 - 8,5 Mrd. Dollar, für Herzerkrankungen auf 9,5 Mrd. Dollar, für Krebs auf 0 - 16,5 Mrd. Dollar, für Diabetes auf 14,0 - 17,1 Mrd. Dollar, für Erkrankungen der Gallenblase auf 0,2 - 2,4 Mrd. Dollar, für musculoskeletale Störungen, bedingt durch Fettleibigkeit, auf 1,9 Mrd. Dollar und für Lebensmittelvergiftungen auf 0,2 - 5,5 Mrd. Dollar geschätzt. Die gesamten im Jahre 1992 unmittelbar dem Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten werden auf 28,6 - 61,4 Mrd. Dollar geschätzt.

Schlußfolgerung: Die dem Fleischkonsum zuzuschreibenden Gesundheitspflegekosten sind quantifizierbar und beträchtlich.

Schlüsselwörter: medizinische Kosten; Fleisch; Vegetarianismus; Ernährung.

1995 Academic Press, Inc.

EINFÜHRUNG

Die explodierenden Kosten im Gesundheitswesen unterstreichen die Notwendigkeit, diejenigen Faktoren zu identifizieren, die einen hohen Bedarf an medizinischer Versorgung erforderlich machen. Ernährungsbedingte Faktoren sind zusammen mit Tabak zu einem großen Teil für Krankheiten bei amerikanischen Erwachsenen verantwortlich, indem sie zu Hypertonie, kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Gallensteinen, Lebensmittelvergiftungen und anderen Leiden beitragen. Im Gegensatz zu den Auswirkungen des Tabakkonsums ist bislang wenig Aufmerksamkeit darauf verwandt worden, das Ausmaß abzuschätzen, mit dem ernährungsbedingte Faktoren zu den Kosten der Krankheitsbehandlung beitragen.

Krankheitskostenstudien lassen sich auf zweierlei Weise durchführen. Prävalenzbasierte Analysen schätzen die Kosten, die in einem bestimmten Jahr durch bestimmte Krankheiten verursacht werden, und zwar unabhängig vom Stand der Erkrankung. Sie eignen sich dazu, die Größenordnung von Kosten einzuschätzen, die jährlich durch Krankheiten verursacht werden. Inzidenzbasierte Analysen schätzen die im Laufe eines Lebens entstehenden Krankheitskosten und sind besonders dazu geeignet, potentielle Kosten und Einsparungen abzuschätzen, die sich aus Interventionen ergeben würden. Solche Analysen erfordern verläßliche Informationen über die Krankheitsinzidenz bei verschiedenen Altersstufen, den Verlauf der Krankheit und die Verzögerung, mit der eine Intervention wirksam wird.

Die zur Verfügung stehenden Daten erlauben eine prävalenzbasierte Einschätzung, inwieweit sich der Fleischkonsum auf die von mehreren Erkrankungen verursachten Gesundheitspflegekosten auswirkt. Untersucht wurden die Unterschiede in der Krankheitsprävalenz zwischen Omnivoren und Vegetariern bei Kontrolle anderer Faktoren des Lebensstils; daraufhin wurden die entsprechenden, dem Fleischkonsum zuzuschreibenden Kosten geschätzt.

METHODEN

Es wurde eine Literatursuche nach veröffentlichten Studien durchgeführt, in denen Unterschiede in der Krankheitsprävalenz von Hypertonie, Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes, Gallensteinen, Fettleibigkeit und Lebensmittelvergiftungen zwischen Omnivoren und Vegetariern festgestellt wurden. Bei den meisten dieser Studien geht es um ovolaktovegetarische Ernährungsweisen, d. h., Ernährungsweisen ohne Fleisch, Fisch und Geflügel, aber mit Eiern und Milchprodukten. Vegane (rein vegetarische) Ernährungsweisen sind weitaus seltener Gegenstand von Forschungsstudien.

Da sich Omnivoren und Vegetarier abgesehen von der Ernährung in vielerlei Weise unterscheiden können, wurden Studien ausgewählt, die im Hinblick auf die Auswirkungen der Parameter Rauchen, sportliche Betätigung, Alkoholkonsum und andere relevante Faktoren kontrolliert wurden. Eine rechnerische Bereinigung aufgrund von Unterschieden im Körpergewicht war bei der vorliegenden Analyse nicht angebracht, da ein erhöhtes Körpergewicht einer der mutmaßlichen Mechanismen ist, durch die Ernährungsfaktoren das Risiko von hohem Blutdruck, Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes und Gallensteinen erhöhen können.

Als dem Fleischkonsum zuzuschreibende medizinische Kosten wurde der Teil direkter Behandlungskosten angesehen, der der Exzeßprävalenz von Krankheiten bei Omnivoren im Vergleich zu Vegetariern entsprach, und zwar in Studien, die potentiell störende Faktoren kontrollierten. Nichtmedizinische Kosten wie verlorene Produktivität wurden nicht berücksichtigt.

Wo es notwendig war, wurden die Kosten mittels der Zahlen für medizinische Versorgung aus dem vom Amt für Arbeitsmarktstatistik des US-Arbeitsministeriums herausgegebenen Index der Verbraucherpreise in Dollar von 1992 umgerechnet.



Deutsche Übersetzung von Marcel Fischer MarcelFischer@compuserve.com

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