Welt-Umwelt-Tag – 5. Juni

Presse-Erklärung der Europäischen Vegetarier-Union

Der Fleisch essende Umweltschützer – ein Widerspruch?

Man braucht nur ein paar Augenblicke um zu erkennen, dass es im Hinblick auf Land, Wasser und Energie weitaus effizienter ist, sich pflanzlich zu ernähren als von toten Tieren, die ihrerseits wieder große Pflanzenmengen verbrauchen, um ihren eigenen Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Studien über die Gesundheit von Veganern (ohne tierische Produkte), anderen Vegetariern (nur Milch und Eier) und Fleischessern haben außerdem zweifelsfrei gezeigt, dass Menschen, auch Kinder, ohne tierische Produkte richtig gesund sein können. Neu ist die zunehmende Erkenntnis, dass wir die Grenzen der Belastungsfähigkeit unserer Erde sprengen, und als Grund dafür die weit verbreitete Akzeptanz bei internatinalen Körperschaften, dass wir uns weiterhin – und weltweit immer noch steigend – auf Tiere als Nahrungsmittel verlassen.

Die Klimaerwärung wird immer mehr als Herausforderung für das 21. Jahrhundert angesehen, und der kürzlich veröffentlichte Bericht der FAO (United Nations Food and Agriculture Organisation) „Der lange Schatten der Tierhaltung“ lässt keinen Zweifel an der Bedeutung unseres Ernährungsverhaltens in diesem Zusammenhang:

"Die Nutztierhaltung entpuppt sich als einer der drei wichtigsten Faktoren hinsichtlich der schlimmsten Umweltprobleme, auf jeder Ebene von lokal bis global."

"Die Nutztierhaltung ... ist verantwortlich für 18% des Treibhausgasausstoßes gemessen in CO2-Äquivalenten. Das ist ein größerer Anteil als der des Transportwesens." Die Nachfrage nach
Fleisch und Tierfutter vergrößert die Zerstörung der Wälder und den damit verbundenen CO2-Ausstoß. Die  Methanausscheidungen der Wiederkäuer sind ein weiterer Beitrag der Viehhaltung zum Treibhauseffekt.

Obwohl es nur allzu offensichtlich ist, dass ein Umdenken notwenig ist, bleiben die meisten Organisationen davon überzeugt, dass Viehhaltung immer zu unserem Lebensstil gehören wird. Die FAO hat den schädlichen Einfluss der Tierhaltung erkannt und rechnet rotzdem damit, dass sich der Verbrauch von Milch und Fleisch bis 2050 verdoppeln wird. Man hat das Problem erkannt, und die Lösung dafür ist mehr als offensichtlich. Trotzdem scheint es, dass sich die Verantwortlichen dieser Welt keine Zukunft ohne Abhängigkeit von Tierprodukten vorstellen können.

Aber, wenn wir uns eine solche Zukunft nicht vorstellen können und auch nichts unternehmen, um sie Wirklichkeit werden zu lassen, werden wir überhapt keine Zukunft mehr haben. Wenn wir den Sprung jedoch schnell genug wagen, können wir  später mit Genugtuung auf Generationen zurückblicken, die im Hinblick auf die einzig vorstellbare Zukunft blind waren, in der ein Fleisch essender Umweltschützer genauso absurd erscheint wie ein Sklavenbesitzer, der für die Gleichberechtigung eintritt.

Renato Pichler
President
European Vegetarian Union
www.euroveg.eu
president@euroveg.eu